Manchmal stolpert man über Projekte, die einen innehalten lassen. So ging es mir, als eine Kollegin in einer Mittagspause kleine Flyer verteilte, die auf ein Projekt aufmerksam machen, dessen Umsetzung in den Startlöchern steht.

Der Flyer, mit einem QR-Code versehen, der auf Startnext verlinkt, macht auf den Dokumentarfilm „Auf den Spuren von Alice Salomon" aufmerksam.

Mit diesem Dokumentarfilm soll ein Film über eine Frau entstehen, die vor über hundert Jahren Dinge angestoßen hat, die uns heute noch beschäftigen. Gender Pay Gap, soziale Gerechtigkeit, Bildung als Schlüssel zur Emanzipation. Das klingt nach 2026, war aber schon 1906 ihr Thema.

Für mich schließt dieses Thema an meine relativ intensive Beschäftigung mit einer viel diskutierten Monografie an, die mein ehemaliger und leider schon verstorbener Prof, Otto Steiger, gemeinsam mit Gunnar Heinsohn verfasste: Die Vernichtung der weisen Frauen.

Mit anderem Fokus, aber im Kern die Einflussnahme auf das Wirken von Frauen in bestehenden Machtgefügen betrachtend, wird im Rahmen dieses Filmprojekts “die Lebensleistung einer Reformerin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft, promovierten Ökonomin und Vordenkerin ökonomischer Gerechtigkeit sichtbar gemacht”. KILIAN ANDERSEN VERLAG

Portrait von Alice Salomon
Portrait von Alice Salomon

Wer war Alice Salomon?

Alice Salomon, geboren 1872 in Berlin in eine jüdische Familie, war Pionierin der Sozialen Arbeit und promovierte Ökonomin. In ihrer Dissertation analysierte sie die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern – ein Thema, das wir heute als Gender Pay Gap kennen und das uns immer noch begleitet. 1908 gründete sie die erste Soziale Frauenschule Deutschlands in Berlin, die heutige Alice Salomon Hochschule Berlin. Was zuvor als ehrenamtliches Engagement von Frauen galt, entwickelte sie zu einem anerkannten Beruf. Sie war damit eine Wegbereiterin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft.

Ihr Leben war geprägt von Mut und Widerstandskraft. 1933 wurden ihr aufgrund ihrer jüdischen Abstammung alle öffentlichen Ämter entzogen, 1939 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach einem Gestapo-Verhör emigrierte sie 1937 in die Vereinigten Staaten, wo sie 1948 starb. In Deutschland geriet sie nahezu in Vergessenheit.

Zwei junge Frauen auf Spurensuche

Genau hier setzt der Film an. Zwei junge Sozialarbeiterinnen, Zoe Fender und Laila Wendland, folgen 2026 den Spuren von Alice Salomon – von Lübeck über Berlin bis nach New York. Dabei treffen sie auf Menschen, die Alice Salomons Erbe bis heute lebendig halten.

Allen voran Adriane Feustel, Historikerin und Gründerin des Alice Salomon Archivs. Sie hat über Jahrzehnte Quellen gesichert, Briefe, Tagebücher und Fotos bewahrt. 2023 wurde sie dafür mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ohne ihre Arbeit wäre vieles von Alice Salomons Geschichte schlicht verschwunden.

Die beiden Protagonistinnen begegnen zudem Familienmitgliedern, ehemaligen Schülerinnen und der Künstlerin DESSA, die sich in ihrer Ausstellung „Die Kunst des Gedenkens: Alice Salomon 1872–1948" mit Erinnerungen, Werken und der Biografie von Alice Salomon auseinandersetzt. Ihr Werk „Alice im Exil" ist das Leitmotiv des Films und taucht auch auf den Postkarten und Kunstprints der Crowdfunding-Kampagne auf.

Das Team hinter dem Film

Initiiert wurde das Projekt von Heike Knebel, Sozialarbeiterin und Dozentin an der Berufsakademie Lüneburg. Die Produktionsleitung liegt bei Madline Lentins, hinter der Kamera steht Filmemacher Finn Nissen. Unterstützt wird das Ganze von der Historikerin Bianca Walther, die mit ihrem Podcast „Frauen von damals" das Leben von Alice Salomon auf zeitgemäße Weise vermittelt. Träger des Projekts ist der KILIAN ANDERSEN VERLAG aus Ratekau bei Lübeck.

Crowdfunding auf Startnext

Der Film soll im Frühjahr 2027 fertiggestellt und anschließend kostenfrei zugänglich gemacht werden.

Um das zu finanzieren, läuft bis zum 7. Juni 2026 eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext mit einem Finanzierungsziel von 35.000 Euro. Das Geld fließt direkt in Dreharbeiten, Honorare, Postproduktion und Reisekosten.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich über verschiedene Dankeschöns freuen:

  • Postkarten und Kunstprints von DESSAs „Alice im Exil" (ab 10 €)
  • ein Leinbeutel mit einem Zitat von Alice Salomon (40 €)
  • das Buch „Die Kunst des Gedenkens: Alice Salomon" mit persönlicher Widmung (100 €)
  • Tickets zum exklusiven Screening in Lübeck oder Berlin (150 €)
  • Unterstützerinnen und Unterstützer werden namentlich im Abspann des Films genannt

Warum das Thema aktuell ist

Alice Salomons Fragen sind drängender denn je. Wie gestalten wir Arbeit gerecht? Wie übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung? Wie kann Soziale Arbeit Missstände sichtbar machen und verändern? Der Film lädt dazu ein, selber zu denken, Haltung zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Denn Erinnerung ist kein Blick zurück – sie ist eine Entscheidung für die Zukunft.

Mehr zum Projekt findet Ihr hier:

Startnext-Kampagne
KILIAN ANDERSEN VERLAG
Alice Salomon Archiv
DESSA

Instagram:

frauenvondamals
spurensuche_alice_salomon

Fotos von DESSA: mit freundlicher Genehmigung vom Kilian Andersen Verlag